Freitag Abend Nervenzusammenbruch.
Es ist mir so irrsinnig peinlich. Jetzt sind also die Scherben zusammenzusuchen, ich muss mich selbst kitten. Nicht, daß es nicht zu erwarten gewesen wäre - wer überarbeitet, übermüdet, fiebrig und krank zu einem weiteren Wochenende Streß und Arbeit fährt, braucht sich nicht zu wundern, daß er kollabiert. Ärgerlich ist, daß ich den alten Versuchungen nicht vollends widerstanden habe. Aber immerhin - geschnitten habe ich nicht. Ein kleiner Trost.
Ich werde versuchen, das Wochenende zu verdrängen, zu ignorieren, was passiert ist. Die Wunde wird heilen, die Erkältung und das Fieber vergehen. Nächstes Wochenende gönne ich mir Entspannung, das hat dann auch zu reichen.
Ich gebe nicht auf. Weiter nach vorne. Die Vergangenheit holt mich nicht ein. Und weiter.
Sonntag, 16. Mai 2010
Mittwoch, 21. April 2010
Bla.
Der verrückte Plan kam am Wochenende.
Ihn anrufen, und ein Gespräch vereinbaren - und mit ihm reden. Eine Stunde, vielleicht zwei, keine wirkliche Therapie, nur ein paar Unterhaltungen. Die Kasse zahlt fünf Sitzungen sicher, und meine Eltern sagten, egal, sonst würden sie mir das auch finanzieren. Ich soll ruhig meine Zeit nehmen, die ich brauche.
Er. Ehemaliger Oberarzt meiner Station in Lutter, er war es, der mir Medikamente bis zur totalen Abstumpfung gab, der mich als "Konsequenz" auf tiefes svV für eine Woche in die Hölle (Geschlossene) schickte mit Valium & Antidepressiva intravenös und einem Flurbett, wovon ich heute noch Alpträume habe. Er erpresste mich danach damit, weil er drohte, das zu wiederholen, und ich tat alles, um es zu verhindern, und log, verbarg und verschleierte. Er übernahm für zwei Monate dann meine Einzeltherapie, und es war das produktivste, was ich in den sieben Monaten dort tat - doch kaum kam eine neue Therapeutin (bzw, eine alte - ihr Vertrag war abgelaufen, sie war gegangen und kam dann zurück; ich hatte aber vorher mit ihr nicht gearbeitet) auf die Station, gab er mich ab, der vierte Therawechsel dort - und die neue brachte mir nichts.
Er sorgte dafür, daß ich auf diese DBT-Station kam, wo ich schon einmal, ein paar Monate zuvor, vor Angst zusammen gebrochen war und vor der ich panische Furcht hatte, er war es, der mich zwei Tage vor meinem S-Versuch dort mitten in der Nacht kl*mm*rte und mir sagte, er sei stolz auf mich, obwohl ich zu dem Zeitpunkt wieder einmal seit Wochen mein svV aus Angst und Panik vor den Bestrafungen dort versteckte, und diesen einen Schn*tt dort nur meldete, weil ich befürchtete, daß es langsam zu auffällig wurde.
Dabei - wenn es einer hätte wissen und durchschauen müssen, dann er - schließlich war er darauf schon auf der offenen gestoßen und hatte mir daraufhin gesagt, ich sei die einzige Patientin, bei der er jemals so gescheitert sei - und er wisse bei mir einfach nicht mehr weiter.
Es endete alles in der Katastrophe, ich wurde im Krankenwagen ins Leben zurück gesch*ckt und nach mehreren Tagen auf der ITS nach drei Tagen erneut auf der Geschlossenen entlassen - auf eigenen Wunsch darfte ich gehen, zum ersten Mal nach 7 Monate, in denen man mir nur immer zuvor mit Beschluß und PsychKG drohte, wenn ich gehen wollte. Er auch.
Einerseits kümmerte er sich, andererseits verschlimmerte er vieles - und er ist die zwiespältigste Figur der Zeit dort. Ich kann ihm bis heute nichts nachtragen.. aber ich habe so viele offene Fragen. Warum kam alles so, wie es kam?
Er praktiziert heute in eigener Praxis als Psychotherapeut in meiner Heimatstadt..
Ich weiß, daß er mir vermutlich keine Antworten geben kann, er wird es nicht mehr wissen. An meinen Namen wird er sich wohl erinnern, aber an keine sonstigen Details. Trotzdem - desto länger ich warte, desto weniger wird er noch wissen. Allein die Chance - ich möchte sie nicht ungenutzt lassen. Bin ich besessen, noch immer? Vielleicht.
Vielleicht will ich ihm einfach nur gegenüberstehen, ihm zeigen, was aus mir wurde. Vielleicht will ich ihm einfach nur sagen, wie furchtbar dieser Aufenthalt für mich war, wie sehr er mich einschränkte und bis heute belastet, und ihm dann erzählen, daß ich es trotzdem geschafft habe, daß ich kämpfe, arbeite, _lebe_.
Ihn anrufen, und ein Gespräch vereinbaren - und mit ihm reden. Eine Stunde, vielleicht zwei, keine wirkliche Therapie, nur ein paar Unterhaltungen. Die Kasse zahlt fünf Sitzungen sicher, und meine Eltern sagten, egal, sonst würden sie mir das auch finanzieren. Ich soll ruhig meine Zeit nehmen, die ich brauche.
Er. Ehemaliger Oberarzt meiner Station in Lutter, er war es, der mir Medikamente bis zur totalen Abstumpfung gab, der mich als "Konsequenz" auf tiefes svV für eine Woche in die Hölle (Geschlossene) schickte mit Valium & Antidepressiva intravenös und einem Flurbett, wovon ich heute noch Alpträume habe. Er erpresste mich danach damit, weil er drohte, das zu wiederholen, und ich tat alles, um es zu verhindern, und log, verbarg und verschleierte. Er übernahm für zwei Monate dann meine Einzeltherapie, und es war das produktivste, was ich in den sieben Monaten dort tat - doch kaum kam eine neue Therapeutin (bzw, eine alte - ihr Vertrag war abgelaufen, sie war gegangen und kam dann zurück; ich hatte aber vorher mit ihr nicht gearbeitet) auf die Station, gab er mich ab, der vierte Therawechsel dort - und die neue brachte mir nichts.
Er sorgte dafür, daß ich auf diese DBT-Station kam, wo ich schon einmal, ein paar Monate zuvor, vor Angst zusammen gebrochen war und vor der ich panische Furcht hatte, er war es, der mich zwei Tage vor meinem S-Versuch dort mitten in der Nacht kl*mm*rte und mir sagte, er sei stolz auf mich, obwohl ich zu dem Zeitpunkt wieder einmal seit Wochen mein svV aus Angst und Panik vor den Bestrafungen dort versteckte, und diesen einen Schn*tt dort nur meldete, weil ich befürchtete, daß es langsam zu auffällig wurde.
Dabei - wenn es einer hätte wissen und durchschauen müssen, dann er - schließlich war er darauf schon auf der offenen gestoßen und hatte mir daraufhin gesagt, ich sei die einzige Patientin, bei der er jemals so gescheitert sei - und er wisse bei mir einfach nicht mehr weiter.
Es endete alles in der Katastrophe, ich wurde im Krankenwagen ins Leben zurück gesch*ckt und nach mehreren Tagen auf der ITS nach drei Tagen erneut auf der Geschlossenen entlassen - auf eigenen Wunsch darfte ich gehen, zum ersten Mal nach 7 Monate, in denen man mir nur immer zuvor mit Beschluß und PsychKG drohte, wenn ich gehen wollte. Er auch.
Einerseits kümmerte er sich, andererseits verschlimmerte er vieles - und er ist die zwiespältigste Figur der Zeit dort. Ich kann ihm bis heute nichts nachtragen.. aber ich habe so viele offene Fragen. Warum kam alles so, wie es kam?
Er praktiziert heute in eigener Praxis als Psychotherapeut in meiner Heimatstadt..
Ich weiß, daß er mir vermutlich keine Antworten geben kann, er wird es nicht mehr wissen. An meinen Namen wird er sich wohl erinnern, aber an keine sonstigen Details. Trotzdem - desto länger ich warte, desto weniger wird er noch wissen. Allein die Chance - ich möchte sie nicht ungenutzt lassen. Bin ich besessen, noch immer? Vielleicht.
Vielleicht will ich ihm einfach nur gegenüberstehen, ihm zeigen, was aus mir wurde. Vielleicht will ich ihm einfach nur sagen, wie furchtbar dieser Aufenthalt für mich war, wie sehr er mich einschränkte und bis heute belastet, und ihm dann erzählen, daß ich es trotzdem geschafft habe, daß ich kämpfe, arbeite, _lebe_.
Dienstag, 6. April 2010
Kuckucksnester
Wo ist der Unterschied zwischen echter Kooperation und gespielter Kooperation?
Gibt es einen? Gibt es keinen? Ist es egal, aus welcher Motivation heraus "mitgespielt" wird?
Es trifft mich nicht mehr so, wie es noch vor ein paar Monaten getroffen hätte. Ich kann eine Stunde lang zusehen, wie sich der Protagonist meiner Lieblingsserie in der Psychiatrie gegen die Behandelnden stellt, fixiert, isoliert und medikamentös ruhig gestellt wird..
Dennoch sind da Momente, die mit Widerhaken hängen bleiben. Die oben zitierte Frage, die eine alte Wunde wieder aufreißt - die "Schuldfrage".
Habe ich den Aufenthalt in Lutter, besonders auf Haus 7, selbst "verbockt"? Habe ich ähnlich wie ein gewisser Doktor mir viel zu viel auf mich selbst eingebildet, ich im Alleingang gegen eine ganze Welt?
Morgen ist es ein Jahr her, daß ich mich das letzte Mal mit Absicht schädigte. Ein Jahr - eine Ewigkeit, gewissermaßen.
Ganz hinter mir wird dieses Kapitel wohl nie bleiben. Aber vielleicht, ganz vielleicht, bin ich bald in der Lage, darüber zu schreiben.
Dienstag, 16. März 2010
Altlasten beseitigen.
Ein seltsames Gefühl.
Alles, was ich noch habe, was ich finden konnte, neben mit auf dem Schreibtisch aufgereiht. Zurechtgelegt, um - es fällt noch immer schwer, nach all den Monaten. Ich habe es nie gekonnt, habe nie die Tür ganz hinter mir geschlossen. Wenn ich sie abgeben sollte, gab ich nie alle ab.
Gekämpft, so viele Tränen. Mit viel Hilfe von außen habe ich geschafft, vor etwa einem Jahr meinen Notausgang abzugeben. Und nachdem ich auf dem Törn jede einzelne Tablette im Meer versenkt habe, konnte ich immer widerstehen. Wie oft war da dennoch der Gedanke, nur für den Fall, daß ich nochmal gehen müsste, mir wieder welche zu beschaffen - und ich habe es nicht getan.
Warum ist das jetzt noch einmal so schwer? Warum konnte ich nie verzichten? Warum brauchte ich immer noch die theoretische Möglichkeit, selbst wenn ich es nicht mehr tat?
Sucht.
Es ist an der Zeit, die Mittel dazu endgültig wegzuwerfen. Es ist an der Zeit, sich endgültig zu entscheiden, die Hintertür zu schließen.
Ich sitze hier, starre auf die Klingen, auf die Kanülen, so scharf, so silbrig, so - verlockend.
Ob diese Sehnsucht jemals aufhört? Werde ich jemals nicht mehr zusammen zucken, wenn mir jemand ein Teppichmesser beim basteln in die Hände drückt?
Egal. Ich entscheide mich. Für _dieses_ Leben.
Und dann? Gehe ich erst einmal joggen. (=
Alles, was ich noch habe, was ich finden konnte, neben mit auf dem Schreibtisch aufgereiht. Zurechtgelegt, um - es fällt noch immer schwer, nach all den Monaten. Ich habe es nie gekonnt, habe nie die Tür ganz hinter mir geschlossen. Wenn ich sie abgeben sollte, gab ich nie alle ab.
Gekämpft, so viele Tränen. Mit viel Hilfe von außen habe ich geschafft, vor etwa einem Jahr meinen Notausgang abzugeben. Und nachdem ich auf dem Törn jede einzelne Tablette im Meer versenkt habe, konnte ich immer widerstehen. Wie oft war da dennoch der Gedanke, nur für den Fall, daß ich nochmal gehen müsste, mir wieder welche zu beschaffen - und ich habe es nicht getan.
Warum ist das jetzt noch einmal so schwer? Warum konnte ich nie verzichten? Warum brauchte ich immer noch die theoretische Möglichkeit, selbst wenn ich es nicht mehr tat?
Sucht.
Es ist an der Zeit, die Mittel dazu endgültig wegzuwerfen. Es ist an der Zeit, sich endgültig zu entscheiden, die Hintertür zu schließen.
Ich sitze hier, starre auf die Klingen, auf die Kanülen, so scharf, so silbrig, so - verlockend.
Ob diese Sehnsucht jemals aufhört? Werde ich jemals nicht mehr zusammen zucken, wenn mir jemand ein Teppichmesser beim basteln in die Hände drückt?
Egal. Ich entscheide mich. Für _dieses_ Leben.
Und dann? Gehe ich erst einmal joggen. (=
Montag, 15. März 2010
Samstag, 6. März 2010
gravity..
Gravity - stay the hell away from me! Gravity wants to bring me down..
Dr. House
Vielleicht - ist es manchmal wirklich gut. Sich selbst durch die realistische Betrachtung von sich selbst wieder auf den Boden der Tatsachen zu bringen. Schlußendlich ist, was auch immer bleiben wird - Linien, Streifen, und viel Vergangenheit.
Gott hinkt nicht, und Gott hat auch keine Narben. Unvollkommen.
Fliegen - ist eine schöne Illusion, aber schlußendlich bleibt die Realität. Ich seh' es ja selbst.
Gott hinkt nicht, wie du weißt.
Dr. House
Vielleicht - ist es manchmal wirklich gut. Sich selbst durch die realistische Betrachtung von sich selbst wieder auf den Boden der Tatsachen zu bringen. Schlußendlich ist, was auch immer bleiben wird - Linien, Streifen, und viel Vergangenheit.
Gott hinkt nicht, und Gott hat auch keine Narben. Unvollkommen.
Fliegen - ist eine schöne Illusion, aber schlußendlich bleibt die Realität. Ich seh' es ja selbst.
Mittwoch, 3. März 2010
What a ship really is...
Befreunde dich mit Seegang, Wind und Sternen
und geh bei Tag der Deckscrew mit zur Hand.
Erst hier auf See wirst du erkennen lernen,
was sie dir schuldig blieb, die Welt an Land.
So viel unterwegs für Clipper, so viel für die Uni zu tun - und daneben umherfahren, im Versuch, allen irgendwie gerecht zu werden - meiner eigenen Sehnsucht nach ihm, dann meinen Freunden, die mich teilweise sehr missen mussten in der letzten Zeit, meiner Familie, meinen Pflichten. Alte Versprechen einlösen, meine eigenen Zusagen einhalten, den Anforderungen der Uni entsprechen kostet viel Zeit. Doch - ich genieße es. Genieße den Streß, freue mich über Stunden im Zug und die Momente des Wiedersehens.
Hier im Norden ist endlich fast aller Schnee geschmolzen, und es fühlt sich an, als sähe die Sonne das erste Mal in diesem Jahr aus den Wolken hervor. Temperaturen um die 5°C scheinen so warm, daß ich die Heizung herunterdrehte und beim arbeiten mit offenem Fenster da saß, um die frische Luft zu genießen. Die Pullis werden dünner, die Ärmel werden hochgeschoben, und das erste Eis diesen Jahres schmeckte so herrlich nach Frühling.
Bald segeln die Schiffe wieder, bald geht es wieder auf Törn. _Mit_ ihm.
What a ship is, what a ship really is - is freedom.
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